• Gruppe 3

Was Karl*a einmal werden möchte

Einst umgeben von einer idyllischen Auenlandschaft entstand Karl*a Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge des Baus der Technischen Hochschule (vgl. Czeike 1979: 20f.). Seitdem hat sie immer wieder Veränderungen durchlebt. Sei es die Regulierung des Wienflusses, der Bau des Resselparks Anfang des 19. Jahrhunderts oder die Errichtung der Stadtbahn und die damit verbundene Einwölbung des Wienflusses knapp 100 Jahre später. (vgl. Czeike 1979: 16) Erst eine bauliche Erweiterung in den 70er-Jahren hat Karl*a jedoch zu der gemacht die wir heute kennen und lieben (vgl. MA 8, MA 9 2018).


Die sie begrenzenden Gebäude tragen teilweise bereits besonders schöne Kleider und hinter ihren zahlreichen Häusereingängen befinden sich unterschiedliche Nutzungen. Es gibt jedoch leider nur wenige Grünflächen und Karl*as Oberfläche besteht hauptsächlich aus Asphalt, weshalb ihr im Sommer oft sehr heiß ist. Auch wenn sie aufgrund der unterschiedlichen Nutzungen im umliegenden Grätzl (Universität, Schulen, Wohnhäuser, Büros, Restaurants, Sehenswürdigkeiten etc.) von verschiedenen Menschen unterschiedlichen Alters durchquert wird, – bleibt kaum jemand länger zu Besuch bei ihr. Einzig die vielen parkenden Autos verändern gefühlt nie ihre Position. Leider sind diese jedoch eher weniger kommunikativ. Momentan, zur Zeit der COVID-19 Pandemie, steht alles still und Karl*a fühlt sich noch einsamer als sonst. Nur hin und wieder kommen Anrainer*innen vorbei, die ihre notwendigsten Einkäufe erledigen müssen oder in die Arbeit fahren, weil diese nicht von zu Hause verrichtet werden kann.


Die Stille hat aber auch etwas Gutes. Karl*a hat nun endlich Zeit sich intensiv über ihre Zukunft Gedanken zu machen und zu überlegen, was sie mal werden möchte.


Eine Glühbirne voller brennender Ideen für Karl*as Zukunft

- Grafik erstellt mit Word Art


Die Experimentierfreudige


Seit Karl*as Entstehung steht ihr die Technischen Universität treu zur Seite. De facto befindet sie sich inmitten von universitären Gebäuden. So richtig bemerkt hat man das jedoch bis jetzt nicht wirklich.

Unter anderem der Rückzug des Instituts „Raumplanung und Raumordnung“ an „den Karlsplatz“ motiviert Karl*a dazu in Zukunft eine aktivere Rolle für die Universität zu spielen. Sie ist offen für Neues und möchte Studierenden und Forscher*innen der TU Wien daher die Möglichkeit bieten sie als Ort für Experimente zur Verbesserung des Stadtklimas zu nutzen. Smarte Technologien wie etwa kühlende Straßenbelage, verschiedene Systeme von Fassadenbegrünung mit unterschiedlichen Bewässerungssystemen oder Teststrecken für autonome Busse, die mit der Energie der in den umliegenden Gebäuden erzeugten Energie betrieben werden, sollen in Kooperation mit verschiedenen Instituten der TU direkt auf Karl*a und ihrer Umgebung getestet werden. Studierende verschiedener Studienrichtungen bekommen so die Möglichkeit Erfahrungen an realen Projekten direkt vor der Tür sammeln zu können.

Karl*a möchte zudem bunt und vielfältig sein und immer mit der Zeit gehen. Ihr momentan noch ungenutztes Potenzial an Aufenthaltsflächen wird daher zukünftig durch temporäre Nutzungen bespielt. So prägen schon bald vorübergehende Ausstellungen von Studierenden, flexible Möbel die als Besprechungs- sowie Lernräume genutzt werden oder aber auch öffentliche Vorlesungen Karla*s Erscheinungsbild. Um noch mehr Platz für diverse Aktivitäten der TU Wien zu schaffen werden Parkplätze reduziert und Straßenabschnitte teilweise gesperrt. Zur Abkühlung in den heißen Sommermonaten oder als Unterschlupf bei Schlechtwetter sorgt ein jährlich von Studierenden entworfener Pavillon neben dem Gebäude des Instituts für Elektrotechnik.

„Dank“ der Corona-Krise haben viele Menschen gelernt mit Veränderungen besser umzugehen, wodurch ihnen die Angst vor Neuem genommen wird. Karla*s Anrainer*innen, werden dem Ausprobieren unterschiedlicher Technologien und Nutzungen daher daher mit großem Interesse gegenüberstehen und die Möglichkeiten, sich zu beteiligen und konstruktiv miteinzubringen, nutzen.

Karl*a möchte ein Identitätsraum für die TU Wien werden, der den Campus sowie das Stadtleben miteinander verbindet.




Eigene Darstellung. Kartengrundlage Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at



Die Ruhige & Sinnliche


Momentan mangelt es an öffentlich nutzbaren Grünflächen in Karl*as unmittelbarer Umgebung. Sie selbst hat zwar einige schattenspendende Bäume zu bieten, jedoch gibt es keine zugänglichen Rasenflächen die zum Verweilen einladen. Zwar befinden sich vor dem Freihaus und dem Hauptgebäude Grünflächen mit Erholungswert – diese sind jedoch an schönen Tagen durchgehend von zahlreichen Studierenden besetzt, woraus sich eine hohe Nachfrage an solchen Orten schließen lässt.

Da Karl*a schon immer eher ruhig war, will sie zu ihren Wurzeln zurückkehren und sich in einer Stadtoase verwandeln, die durch ihre geschwungenen Formen und unterschiedlichen Ebenen an die einst dort bestehende Auenlandschaft erinnert und Karl*a mit dem Karlsplatz verbindet. Karl*a wird damit zu einem Verbindungsraum zwischen Karlplatz und Erzherzog-Johann-Park und zieht sich zudem in die Innenhöfe der Universitätsgebäude. Ein Radschnellweg wird Karl*a zudem mit dem Hauptbahnhof verbinden.

Die enge Straße wird Intimität schaffen und durch die geschwungenen Formen ergeben sich sowohl Räume an denen soziale Interaktionen stattfinden können sowie Rückzugsorte. Flexible beziehungsweise multifunktionale Sitzgelegenheiten im Freien werden für Pausen, zum Lernen oder Arbeiten genutzt. Eine barrierefreie Bepflasterung des Bodens soll zusätzlich eine angenehme Atmosphäre schaffen. Passive Sockelzonen werden durch hochgezogene Ebenen verdeckt. Dadurch wird es Anrainer*innen weiterhin möglich sein in der sonst autofreien Zone teilweise zu- und abzufahren.

Karl*a möchte mit der Oase zu einer besseren Stressverarbeitung in einer sonst so schnellen und hektischen Stadt beitragen. Firmengärten am Dach tragen zudem zum allgemeinen Wohlbefinden der Arbeitenden bei.Der neu geschaffene zugängliche Grünraum inmitten der Stadt wird Studierenden, Arbeitenden sowie sonstigen Nutzer*innen des Grätzls nicht nur helfen ihren sozialen Stress abzubauen sondern soll zudem zur Stärkung der Nachbarschaft beitragen und dem Quartier eine neue Identität geben.



Eigene Darstellung. Kartengrundlage Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at



Die Vernetzte

Momentan, während der Corona-Krise, stellt sich heraus, dass Homeoffice für viele sehr produktiv sein kann. Viele die sonst täglich bei Karl*a ein und aus gingen werden daher in Zukunft nun einen Teil der Woche zu Hause verbringen. Durch neue Apps, die während der Krise eingeführt wurden, weiß Karl*a nun auch sehr gut über die Gewohnheiten ihrer Nachbar*innen Bescheid. Karl*a will sich das zunutze machen und einen digitalen Raumteiler für das Grätzl entwickeln,  der den Nutzer*innen dabei hilft Räume optimal zu nutzen. Wenn beispielsweise jemand in die Mittagspause geht, früher Schluss macht oder im Homeoffice ist, können Besprechungsräume oder auch Arbeitsräume der Büros von anderen genutzt werden. Somit wird unter anderem das Raumdefizit der TU Wien ausgeglichen.

Die Krise macht auch deutlich, dass etliche Dinge digital funktionieren, denen man sonst skeptisch gegenüberstand. Vieles wird nun von zu Hause erledigt und Wissen wird vermehrt digital vermittelt. Karl*a ist sich aber sicher, dass durch die zahlreichen Stunden die zusätzlich vor den Monitoren verbracht wurden, der Wert an analogen Wissensaustausch wieder steigen wird. Die Menschen werden merken, dass ihre Augen Erholung brauchen. Die soziale Distanzierung wird zudem deutlich machen, welchen Wert physische Treffen und der direkte Austausch mit anderen Menschen haben.

Diese Potenziale möchte Karl*a nutzen und zur Vernetzung und dem Austausch der Akteur*innen im Grätzl beitragen. Durch zum Beispiel Ausstellungen, Podiumsdiskussionen oder Radio-Shows, die im öffentlichen Raum stattfinden, will Karl*a zum Wissensaustausch zwischen den diversen Akteur*innen des Grätzls beitragen. Um den Austausch zusätzlich zu fördern und Treffpunkte zu schaffen, will sie zudem ihre Grünflächen zugänglich machen und kommunikationsfördernde Sitzgelegenheiten einrichten. Nachdem auch das Teilen von Ressourcen in der Krise an Bedeutung gewonnen hat, will Karl*a dies durch einen Fairteiler, Tauschflohmärkte und offene Bücherschränke weiter unterstützen. Um Platz für die zusätzlichen Elemente und Aktivitäten zu schaffen wird Karl*a weitgehend vom motorisierten Verkehr befreit.

Eigene Darstellung. Kartengrundlage Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at



Quellen:

Czeike, Felix (1979): Wiener Bezirkskulturführer, lV. Wieden. Wien - München: Jugend und Volk.

Stadt Wien (o.J.): Die Wieden - ein Bezirk mit Geschichte. https://www.wien.gv.at/bezirke/wieden/geschichte-kultur/bezirksgeschichte.html [31.03.2020]

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